Page 4 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Februar-Ausgabe 2018
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Editorial

                                                                        Bernhard Lenhard

Das duale System ist ein Garant für
h­ ochwertige ärztliche Versorgung

In unserer Praxis genießen alle Patientinnen und Patienten die struktureller Natur und haben nichts mit der Existenz eines

gleiche medizinische Sorgfalt und Aufmerksamkeit – unabhän- dualen Systems zu tun.

gig vom Versichertenstatus. Tagtäglich werden alle, die Hilfe Vielmehr gilt: Das duale System ist ein Garant für die hochwer-

bedürfen, in unserer Praxis behandelt – unabhängig vom Ver- tige ärztliche Versorgung der Bevölkerung und hat diese über

sichertenstatus. Als Hausärztinnen und Hausärzte organisieren Jahrzehnte erfolgreich mit gewährleistet.

wir auch für jeden Patienten, der unmittelbar spezialärztliche Ich will nicht verschweigen, dass es auch Praxen gibt, bei denen

Expertise benötigt, Termine bei Fachärzten oder Kliniken – zuerst nach dem Versichertenstatus gefragt wird. Wir verurtei-

unabhängig vom Versichertenstatus.                               len das als Landesärztekammer und fordern die betreffenden

                                                                 Kolleginnen und Kollegen auf, es zu unterlassen. Dennoch darf

Dies gilt nicht nur für unsere Praxis, sondern auch für viele diese vereinzelte Vorgehensweise nicht dazu missbraucht wer-

Hausarzt- und Facharztpraxen in Rheinland-Pfalz. Alle Patien- den, mit dem scheinbaren Argument einer„Klassenversorgung“

tinnen und Patienten, seien sie gesetzlich oder privat versichert, eines der besten Versorgungssysteme der Welt ohne Not zu

werden in den gleichen ambulanten Strukturen versorgt. Es zerstören.

gibt weder ambulant noch stationär unterschiedliche Versor-

gungsebenen für die medizinische Versorgung der Bevölke- Dies sei den einschlägigen parteipolitischen Protagonisten ins

rung. Vielmehr werden alle Menschen innerhalb derselben Stammbuch geschrieben.

Gefüge behandelt. Das ist gelebte Versorgungswirklichkeit und Fordern diese aus parteitaktischen oder ideologischen

eben keine „Zweiklassenmedizin“ und widerlegt jegliche Gesichtspunkten dennoch die Bürgerversicherung, werden sie

Ansätze von Neidargumentationen.                                 dafür verantwortlich sein, diese hochwertige Versorgung zu

                                                                 zerstören. Das muss und wird den Bürgerinnen und Bürgern

Das von einer bestimmten politischen Partei erneut wieder deutlich gesagt werden.

vorgetragene Mantra der „Zweiklassenmedizin“ ist eine uner-

hörte Beleidigung unserer täglichen Arbeit und entwertet, Die Probleme, die tatsächlich vorhanden sind – etwa Versor-

ideologisch motiviert, die tägliche Leistung vieler Arztpraxen. gung der Menschen in der Fläche, Versorgung in sprechstun-

Ich weise für meine Praxis und für viele Kolleginnen und Kolle- denfreien Zeiten, Schnittstellenproblematik ambulant/stationär

gen im Lande diese pauschale Desavouierung zurück, die leider und pflegerische Versorgung - werden mit der Einführung einer

auch von Landespolitikerinnen/Landespolitikern in Kauf ge­­ Bürgerversicherung keinesfalls gelöst, sondern verschärft.

nommen wird, wenn sie mit dem Argument einer sogenannten

Zweiklassenmedizin eine Bürgerversicherung einfordern.           Daher mein dringender Appell: Ideologische oder landeshaus-

                                                                 halterische (Beihilfe) Finger weg vom bewährten dualen Sys-

Herr Lauterbach und andere tragen vor, dass„60 bis 70 Prozent“ tem!

der Bevölkerung eine„Zweiklassenmedizin“ ablehnen. Das mag

bei entsprechend einseitiger Fragestellung sogar zutreffend Mit kollegialen Grüßen

sein, gleichzeitig äußern sich aber über 90 Prozent der Versi-

cherten zufrieden bis sehr zufrieden über die ambulante ärztli-

che Versorgung. Es ist unredlich, mit ideologisch motivierten

Fragestellungen à la Lauterbach Politik zu machen.

Tatsache ist, dass die Menschen die ärztliche Versorgung schät- Dr. Bernhard Lenhard
zen. Da, wo es in der Fläche Versorgungsengpässe gibt, sind sie Vize-Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz

4 Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 2/2018
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